Max Goldt
Meister der augenzwinkernden Sprachkritik
Auf einen Blick
- Geboren: 1958 in Göttingen
- Wohnort: Berlin (seit 1977)
- Beruf: Schriftsteller, Musiker
- Bekannt für: Kolumnen, satirische Prosa, Lesungen
- Kolumnen: Titanic (1989-1998)
Max Goldt gehört zu den eigenwilligsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Als Meister der kurzen Prosa und Pointen-Akrobat mit Tiefgang hat er sich eine treue Leserschaft erarbeitet. Seine Texte verbinden ungehemmt assoziative Blicke auf die Unzulänglichkeiten menschlichen Tuns mit einer Aufmerksamkeit für scheinbar nebensaechliche Randerscheinungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit.
Leben und Werk
Geboren 1958 in Göttingen, lebt Max Goldt seit 1977 als Musiker und freier Schriftsteller in Berlin. Von 1989 bis 1998 schrieb er für die Satirezeitschrift "Titanic" regelmässig die Kolumnen "Onkel Max", "Informationen für Erwachsene" und "Manfred Meyer berichtet aus Stuttgart". Seit den 80er Jahren trägt er auf zahllosen Vortragsreisen eigene Texte vor - seine Lesungen sind mittlerweile legendär.
Neben seiner literarischen Tätigkeit ist Goldt auch als Musiker aktiv. Bereits 1981 gründete er als Texter und Sänger mit Gerd Pasemann das Duo "Foyer des Arts". 1984 nahm er die Soloplatte "Die majestaetische Ruhe des Anorganischen" auf. Später arbeitete er mit Stephan Winkler zusammen und gründete das Duo "Nuuk". Seit 1997 arbeitet Goldt ausserdem als Comictexter mit dem Zeichner Stephan Katz zusammen.
Wichtige Veröffentlichungen
- "Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz" (1984)
- "Ungeduscht geduzt und ausgebuht" (1988)
- "Die Radiotrinkerin" (1991)
- "Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau" (1993)
- "Die Kugeln in unseren Köpfen" (1995)
- "Ae" (1997)
- "Mind-boggling - Evening Post" (1998)
- "Okay Mutter, ich nehme die Mittagsmaschine" (1999)
- "Die Aschenbechergymnastik" (2000)
- "Der Krapfen auf dem Sims" (2001)
- "Wenn man einen weissen Anzug anhat" (2002, Tagebuch)
- "Für Nächte am offenen Fenster. Die prachtvollsten Texte 1988-2002" (2003)
Stimmen zu Max Goldt
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" charakterisierte seinen Stil folgendermassen: "Der satirische Ton bei Max Goldt ist keine Waffe gegen die Dummheit und Bosheit der Welt, sondern eine kugelsichere Weste, hinter der ein weiches Herz schlägt. Er bringt sich immer total mit ein, erzählt gern ausführlich, oft auch ein wenig betulich."
Adam Olschewski schrieb in der "Neün Zürcher Zeitung": "Flaneur, das könnte Max Goldt als Berufsangabe gut gefallen. Es stimmt auch. Goldt flaniert mit Wachhundblick durch alle Zonen unseres Alltags, durch unsere Seinszustände heute und einst; an seiner Seite: das Hehre und das Niedrige, Dada, Tabubruch, der überraschende Schlenker, der tief- wie der vordergründige Lachanfall. Was man allerdings in der Lässigkeit des Flanierens mitunter vergisst - Goldt ist ein Moralist."
Sprachkritik als Herzensangelegenheit
Richtig in Fahrt kommt Max Goldt, wenn er die Lächerlichkeiten unserer Sprachpraxis auf die satirische Schippe nimmt. Da mischt sich so etwas wie Zorn und Unversoehlichkeit ins heitere Einvernehmen. Wer "Zielsetzung" statt "Ziel" sagt, alles "irgendwie witzig" und "spannend" findet, permanent den "Gutmenschen" propagiert oder jeden zweiten Satz mit "im Endeffekt" beendet, kann mit der Nachsicht des Wortästhetikers Goldt nicht rechnen.
Aber ganz so ernst nimmt sich Max Goldt dann doch nicht, und in die Bosheiten schleicht sich ein Augenzwinkern, das sagen will: Irren wir nicht alle durchs sprachliche Niemandsland, ziellos taumelnd zwischen VIVA- und ARTE-Jargon?
Das Absurde mit Geschmack
Goldt bietet das, was ihn beruehmt und berueechtigt gemacht hat: ungehemmt assoziative Blicke auf scheinbar nebensaechliche Randerscheinungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Unendlich komisch ist das, prickelnd und verwirrend - aber auch merkwürdig beklemmend. So plaudert Max Goldt über Aepfel im Bett und Ärzte im Bergwerk, über Benimm-Ratgeber und Nutella in Senfgläsern.
"Das Absurde, mit Geschmack dargestellt", vermerkte einst Göthe in seinen "Maximen und Reflexionen", "erregt Widerwillen und Bewunderung." Das trifft auf Goldts Werk in besonderer Weise zu. Seine Texte sind getragen von der Erkenntnis, dass nichts so normal ist wie die Absurdität des Alltags.