Wilhelm Raabe
Ausgewählte Forschungsliteratur zum Meister des Poetischen Realismus
Wilhelm Raabe (1831-1910) zählt zu den bedeutendsten Erzählern des deutschen Poetischen Realismus. Sein umfangreiches Werk, das mit der Chronik der Sperlingsgasse begann und Romane wie Stopfkuchen und Die Akten des Vogelsangs umfasst, hat eine reiche Forschungstradition hervorgebracht. Die Raabe-Gesellschaft pflegt das Andenken des Dichters und fördert die wissenschaftliche Beschäftigung mit seinem Werk.
Bibliographien
Die grundlegende Raabe-Bibliographie stammt von Fritz Meyen (2. Aufl. Göttingen 1973) und erschien als Ergänzungsband zur Braunschweiger Ausgabe der Sämtlichen Werke. Herman Anders Krüger veröffentlichte bereits 1911 eine Bibliographie im Rahmen seiner Studie über den jungen Raabe.
Leo A. Lensing berichtete über die Raabe-Forschung in den USA (Dissertationen und Bücher 1950-1981). Hans Oppermann gab 1970 einen Überblick über neuere Literatur.
Biographien und Gesamtdarstellungen
Barker Fairleys Monographie Wilhelm Raabe. An Introduction to his Novels (Oxford 1960, deutsch München 1961) gilt als Meilenstein der Forschung. Jeffrey L. Sammons untersuchte The Fiction of the Alternative Community (Princeton 1987). Horst Denkler legte zwei wichtige Studien vor: Neüs über Wilhelm Raabe (Tübingen 1988) und Wilhelm Raabe. Legende - Leben - Literatur (Tübingen 1989).
Hans Oppermanns Bildmonographie in der Reihe rowohlts monographien (Reinbek 1984, zürst 1970) bietet einen anschaulichen Überblick. Werner Fuld veröffentlichte 1993 eine umfassende Biographie (München/Wien). Cecilia von Studnitz porträtierte den Schriftsteller aus biographischer Perspektive (Düsseldorf 1989).
Hermann Helmers gab den Sammelband Raabe in neür Sicht (Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1968) heraus und verfasste eine Einführung in der Sammlung Metzler (2. Aufl. Stuttgart 1978).
Raabe und der Realismus
Fritz Martini hat das Verhältnis Raabes zum 19. Jahrhundert und zum Realismus in mehreren grundlegenden Studien untersucht. Seine Darstellung in Deutsche Literatur im bürgerlichen Realismus (Stuttgart 1962) gehört zum Standardrepertoire der Forschung. Er behandelte auch Raabes Stellung unter den Dichtern des 19. Jahrhunderts.
Georg Lukacs analysierte Raabe aus marxistischer Perspektive in seiner Essaysammlung Die Grablegung des alten Deutschland (Reinbek 1967). Franz Mehring würdigte den Dichter in einem Nachruf von 1910.
Rezeptionsgeschichte
Die Rezeption Raabes wurde in verschiedenen Ländern untersucht. John S. Andrews und E. V. K. Brill dokumentierten die Rezeption in England. Berichte über die Forschung in den Niederlanden (Hans Ester), in der DDR (Hans Kolbe), in Deutschland (Hans-Werner Peter), in Italien (Lydia Prinzivalli/Arpad Klein), in Grossbritannien (Stanley Radcliffe) und in Frankreich (Jean Royer) erschienen im Sammelband zum 150. Geburtstag (1981).
Eugen Rueter untersuchte die Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes und ihre Rolle bei der Rezeptionssteürung (Darmstadt 1977). Jörg Thunecke analysierte die Rezeption anlässlich des 70. Geburtstags 1901.
Beziehungen und Einflüsse
Die Beziehungen zu anderen Autoren wurden vielfach untersucht. Hans Dierkes analysierte die Heine-Rezeption im Werk Raabes (Heine-Jahrbuch 1980). Das Verhältnis zu Schopenhaür behandelten Hans Dierkes (Schopenhaür-Jahrbuch 1973) und Soren R. Fauth in seiner Studie Der metaphysische Realist (Göttingen 2007).
Renate Böschenstein verglich Mythologie und Bürgerzeit bei Raabe, Wagner und Fontane (Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft 1986). Keith Bullivant ordnete Raabe in den Kontext des europaeischen Romans ein (Orbis Litterarum 1976).
Die Beziehungen zu englischsprachigen Autoren wurden ebenfalls untersucht: Emil Dörnenburg und Wilhelm Fehse zu Dickens (Magdeburg 1921), Emil Dörnenburg zu Laurence Sterne, Barker Fairley zu Mark Twain, William P. Hanson zu Thomas Hardy.
Die Stuttgarter Jahre
Raabe lebte von 1862 bis 1870 in Stuttgart. Karl Fricker untersuchte diese Jahre im Spiegel der Dichtung (Stuttgart 1939). Jochen Meyer legte eine Chronik der Stuttgarter Jahre vor (Stuttgart 1981). Marietta Kleiss und Hermann Lenz würdigten diese wichtige Schaffensperiode.
Zum 150. Geburtstag
Der Sammelband von Leo A. Lensing und Hans-Werner Peter aus Anlass des 150. Geburtstages (Braunschweig 1981) versammelt grundlegende Beiträge zu Leben und Werk. Er enthält Erinnerungen von Anna-Margarete Ehninger, einer Enkelin Raabes, eine Zeittafel von Guenter Heumann sowie zahlreiche Forschungsberichte.
Das Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft
Das Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft bietet seit seiner Gründung ein Forum für die laufende Forschung. Hier erschienen grundlegende Aufsätze von Karl Hoppe, Hans Oppermann, Fritz Martini und vielen anderen. Die Mitteilungen der Raabe-Gesellschaft ergänzen das Jahrbuch mit aktüllen Informationen.
Frühe Forschung und Würdigung
Bereits zu Lebzeiten Raabes setzte die wissenschaftliche Beschäftigung ein. Adolf Bartels veröffentlichte 1901 eine frühe Monographie. Wilhelm Brandes legte 1906 Sieben Kapitel zum Verständnis und Würdigung des Dichters vor. Heinrich Spiero dokumentierte Raabes Leben, Werk und Wirkung (2. Aufl. 1925) und gab den Sammelband Wilhelm Raabe und sein Lebenskreis heraus (Berlin 1931).
Fritz Hartmann veröffentlichte 1910 seine Erinnerungen Wilhelm Raabe. Wie er war und wie er dachte. Hermann Pongs legte 1958 eine umfassende Darstellung von Leben und Werk vor (Heidelberg).