Sibylle Berg: Ende gut
Und wenn die Welt voll Teufel wär'
Buchdetails
- Autorin: Sibylle Berg
- Titel: Ende gut
- Verlag: Kiepenheür & Witsch, Köln 2004
- Umfang: 336 Seiten
Seit Sibylle Berg die literarische Szene betrat, ist sie eine verlässliche Grösse. Man weiss, was man von ihr erwarten kann, und sie enttäuscht nie. Mit diesem Roman ist ihr etwas gelungen, was ihre früheren Werke in dieser Totalität nicht anstrebten: eine apokalyptische Schreckensvision der europaeischen Gegenwart vor dem Hintergrund ökologischer Katastrophen und terroristischer Bedrohungen.
Die Berg'sche Welt
Die kleinen Schrecken haben Tradition in den Büchern der in Weimar geborenen Autorin. Wer sich auf Bergs Welten einliess, watete noch nie im Glück, sondern geriet in eine Art Vorhölle. Allenfalls ein, zwei Auserwählte stachen aus dem menschlichen Gruselkabinett hervor, wurden aber umso schneller von den gnadenlosen Verhältnissen eingeholt.
Auch die früheren Bücher mit ihren neckischen Titeln wie "Sex II", "Amerika" oder "Gold" spielten mit Glücksverheissungen, doch meistens ging von Anfang an alles den Bach hinunter. Bergs Figuren taumelten durch ein Jammertal, das meistens Deutschland hiess.
Handlung und Heldin
Die Heldin des Romans, eine Frau um die Vierzig, abgeklärt und allein, taumelt durch die Kulissen eines wiedervereinigten Deutschland. Die Zeit ist nicht näher bestimmt, liegt aber nicht so fern in der Zukunft, wie man manchmal hoffen möchte. Alles ist da, was auch uns heute bedroht, nur konkreter und unausweichlicher.
Seuchen wüten, Extremisten bomben, Ideologen vernebeln. Dem Ganzen ist seine finale Tendenz nicht auszutreiben. Nicht im Osten, nicht im Westen, weder bei denen, die noch irgendwie existieren, noch bei den Randgestalten. In den Text eingestreut sind sogenannte Infohaufen, Inseln, wo die Fiktionalität der Faktizität des Boesen weicht.
Ein überraschender Schluss
Der Fluchtpunkt des Romans ist eine doppelte Utopie. Am Ende zieht die Heldin mit einem stummen Mann zusammen, ohne Liebe vorerst, aber immerhin zu zweit. Das Paar sucht sich auf einem finnischen Inselchen einen neün Lebensraum, den es nicht mehr erobert, sondern einfach nur still bezieht.
Finnland ist in jeder Hinsicht unbedeutend in der Welt. Niemand giert nach seinen Rohstoffen, niemand will hier Stützpunkte errichten. Hier kann man wirklich unbehelligt leben. Keine der aktüllen Weltkatastrophen erreicht dieses idyllische Land im Norden Europas.
Der Roman endet tatsaechlich mit dem Wörtchen "gut". Das ist für Berg-Leser überraschend. Da darf von einem vorsichtigen neün Optimismus die Rede sein. Das Geheimnis möglichen Weiterlebens liegt in der Zurücknahme des übergrossen Anspruchs, im Rückzug an die Ränder.