Susanne Henke: Finderlohn
Hintersinnige Histörchen aus Hamburg
Buchdetails
- Autorin: Susanne Henke
- Titel: Finderlohn und andere Stories
- Verlag: Books on Demand, Norderstedt 2006
- Umfang: 88 Seiten
Der Band versammelt dreizehn Geschichten, die unterhalten und zum Schmunzeln bringen. Einmal in den Histörchen angekommen, weiss man sich gut zu amüsieren. Die Lektuere wirkt wie ein Abend in der warmen Stube mit einem Grog in Reichweite.
Drei Beispiele
Ein Immobilienmakler, der sich bereits als Nachfolger seines Chefs wähnte, bekommt plötzlich Konkurrenz vor die Nase gesetzt. Da kann er sich nur diebisch freün, als ihm der Zufall einen Liebesbrief zuweht, aus dem hervorgeht, dass sein Rivale stockschwul ist und die Cheftochter gar nicht ehelichen will.
In einer anderen Geschichte kämpfen zwei Männer um begehrte WM-Tickets. Der eine muss erst Nachwuchs zeugen, bevor er dem Nationalteam zujubeln darf. Er führt seine Partnerin mehrmals hinters Licht, doch am Ende sieht er das Spiel trotzdem nicht.
Eine allein gelassene Frau hört Geräusche im Haus und greift zum Revolver. Am Ende liegt ein Toter auf dem Parkett. Ob es der Einbrecher ist, bezweifelt jeder, der Susanne Henke kennt.
Die Technik der doppelten Pointe
So funktionieren die besten Geschichten dieser Autorin. Es gibt stets noch eine Pointe hinter der Pointe. Das grosse Glück kippt plötzlich wieder, aus Triumphierenden werden Verlierer, und der erschwindelte Gewinn zerrinnt zwischen gierigen Fingern.
Weniger überzeugend ist Henke, wenn sie ihrem sozialkritischen Impetus allzu deutlich die Zügel schiessen lässt. Manche Schlüsse sind zu glatt, zu demonstrativ in ihrem übereutlichen Gegenüber von Oben und Unten.
Fazit
Der zweite Band mit Kurzprosa erreicht durchaus die Qualität des ersten, der unter dem Titel "Bissige Stories für boshafte Leser" erschien. Schön und gerecht sind die Niederlagen, die jene erleiden, die sich über andere erhaben fühlen. Kann man Gleiches mit Gleichem vergelten? Susanne Henkes Stories sagen: Ja. Und irgendwie menschlich ist das auch. Allein niemand kommt damit durch, stets folgt die Strafe auf dem Fusse.