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Rezension

Fjorde, Elche, Mörder

Der skandinavische Kriminalroman von A bis Z

Zuletzt aktualisiert: 16.12.2025

Buchdetails

  • Herausgeber: Jost Hindersmann
  • Titel: Fjorde, Elche, Mörder
  • Verlag: NordPark Verlag, Wuppertal 2006
  • Umfang: 318 Seiten
  • Reihe: KrimiKritik, Band 6

Wir haben es mit einem Boom zu tun. Aus Schweden, Dänemark, Norwegen und neürdings auch aus Finnland und Island kommt das Boese auf unseren Buchmarkt. Vielleicht ist Henning Mankell, der geistige Vater des Kommissars Kurt Wallander, der aktülle Auslöser dieser gewaltigen Invasion.

Aufbau des Bandes

Unter der Leitung von Jost Hindersmann ist ein Kompendium entstanden, das eine erste deutschsprachige Gesamtübersicht über die skandinavische Kriminalliteratur versucht. Beteiligt waren 15 Autoren aus sieben Ländern, darunter ausgewiesene Krimikenner, Kulturmittler und Übersetzer.

Der Stoff gliedert sich in drei sinnvolle Portionen: Zunächst die Thesen zum Warum des Erfolgs, dann die Tatorte mit der historischen Entwicklung in den einzelnen Ländern, schließlich die Täter, also die Schriftstellerinnen und Schriftsteller selbst.

Historische Wurzeln

Drei der nordischen Nationalliteraturen reichen genrehistorisch bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Damals schrieben bereits der Däne Laurids Kruse, der Schwede Carl Jonas Almquist und der Norweger Mauritz Christopher Hansen Geschichten um Schuld und Suehne. In Finnland und Island begann die fiktionale Tätersuche erst knapp hundert Jahre später.

Der Einfluss des wohl bekanntesten skandinavischen Autorenpaares, Maj Sjoewall und Per Wahloeoe, auf die gesamte nordeuropaeische Krimiszene ist kaum zu überschätzen. Der durch sie geprägte Polizeiroman warf einen kritischen Blick auf die kapitalistische Gesellschaft und machte in den siebziger Jahren Schule.

Der Aufstieg der Fraün

Ein Kennzeichen der neueren Kriminalliteratur aus dem Norden scheint der Aufstieg der Fraün zu sein. Autorinnen wie Inger Frimansson, Lisa Marklund und Helene Tursten aus Schweden, Anne Holt aus Norwegen und Leena Lehtolainen aus Finnland haben das männerdominierte Literaturgebiet erobert und stellen das traditionelle Rollenverständnis radikal in Frage.

Die vorgestellten Autoren

Im dritten Teil des Buches werden sieben Autorinnen und Autoren genaür vorgestellt: Mankell, Nesser, Marklund, Dahl und Lehtolainen. Aus Island kommt Arnaldur Indridason dazu, aus Dänemark Dan Turell. Die Studien führen ein in unterschiedlich geartete Romanwelten und machen neugierig auf die Begegnung mit den Werken.

Die den einzelnen Aufsätzen beigegebenen Literaturlisten einschliesslich der Hinweise auf Internetseiten dürften für interessierte Leser von Nutzen sein.