Henner Kotte: Titelhelden
Heute muss man jedem alles zutraün
Buchdetails
- Autor: Henner Kotte
- Titel: Titelhelden
- Verlag: Rotbuch/EVA, Hamburg 2006
- Umfang: 326 Seiten
Der Roman beginnt mit einer spektakulär ausbrennenden Tankstelle. Einst an einem Autobahnzubringer gelegen und heftig frequentiert, hat die wilde Baupolitik der Kommune die Gegend zu einer Art Sackgasse verkommen lassen. Der Verkehr fliesst plötzlich woanders, und eines Morgens ist der Besitzer einer der beiden Servicestationen tot.
Viel brisanter Stoff
Kottes zweiter Leipzig-Krimi bietet reichlich brisantes Material. Es geht um Wendelust und Wendefrust, rechte Gewalt und Ausländerfeindlichkeit, Väter und Soehne, Mütter und Schwiegertöchter. Es geht um die Frage, wie man leben kann in einer auseinanderfallenden Gesellschaft, die Probleme über Probleme erzeugt, bei deren Lösung aber mehr als zurückhaltend ist.
Die unmittelbare Gegenwart zwischen Profitmaximierung und Prekariat, Hartz IV und WM 2006, Medienmacht und politischem Alltag bildet den Hintergrund dieses Thrillers.
Das Ermittlerteam
Das Team der Mordkommission ist gut und zukunftstraechtig zusammengesetzt. Die vier Hauptfiguren unterscheiden sich wohltünd voneinander und arbeiten sich allesamt an privaten Konflikten ab, die mit der Lösung des Falls nicht verschwinden.
Zum Romanschluss gibt es einen schönen, flammenden Showdown und die Gewissheit, dass sich Leipzig nicht schlecht macht als Schauplatz des Verbrechens. Das ermittelnde Personal ist durchaus serientauglich.
Kritische Anmerkung
Ein Wermutstropfen trübt den Lesegenuss: die Sprache. Hier wird bisweilen geschludert, ziehen Praepositionen die falschen Fälle nach sich, fehlen grammatikalisch notwendige Satzteile. Mit Lesern, die auch auf Sprache und nicht nur auf Handlung Appetit haben, sollte der heutige Krimischriftsteller auf jeden Fall rechnen.