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Rezension

Partitur des Todes

Kommissar Marthalers dritter Frankfurter Fall

Zuletzt aktualisiert: 03.02.2024

Bibliografische Angaben

  • Autor: Jan Seghers
  • Titel: Partitur des Todes
  • Verlag: Wunderlich (Rowohlt), Reinbek
  • Jahr: 2008
  • Umfang: 476 Seiten
  • ISBN: 978-3-8052-0839-0
  • Preis: 19,90 Euro

Wieder kann man den Stadtplan von Frankfurt zur Hand nehmen und den Ermittlern durch die Strassen folgen. Hauptkommissar Robert Marthaler und sein Team von der Mordkommission 1 sind zurück, bekannt aus den Vorgängerromanen "Ein allzu schönes Mädchen" und "Die Braut im Schnee".

Tiefe Wurzeln in der Vergangenheit

Der Roman beginnt mit einem Prolog im Oktober 1941. Ein jüdisches Ehepaar in Frankfurt schickt seinen zwölfjährigen Sohn zu Freunden, um ihn vor der Deportation zu retten. Georg Hofmann beobachtet von gegenüber, was mit seinen Eltern geschieht. Eine Lüge, mit der sie aus seinem Leben scheiden, wird er ihnen jahrzehntelang nachtragen.

Dreiundsechzig Jahre später, im Mai 2005, lebt Hofmann als Pensionär in Paris. Ein Fernsehporträt macht seine Identität publik. Er erhält ein Paeckchen seines Vaters, das auf verschlungenen Wegen mehr als ein halbes Jahrhundert unterwegs war. Absendeort: Auschwitz. Auf der Rückseite einer sensationellen Offenbach-Partitur hat der KZ-Häftling festgehalten, wem er im Vernichtungslager begegnete.

Gut recherchiert, routiniert erzählt

Jan Seghers, bürgerlich Matthias Altenburg, hat seinen Roman sorgfältig recherchiert. Das Buch macht nicht atemlos vor Spannung, sondern lässt sich auch einmal weglegen. Es fängt viel von der unspektakulären Alltagsarbeit der Kriminalisten ein, bleibt dicht an den Figuren und bringt sie als Menschen nahe.

So lobenswert der Ausflug in die Abgründe der deutschen Vergangenheit ist - die Geschichte des seine Identität wechselnden SS-Arztes wirkt bisweilen vertraut. Die stärksten Seiten hat das Buch am Anfang, wenn es dem alten Georg Hofmann durch Paris folgt. Der Schluss hingegen kommt nach langem Tappen im Dunklen etwas hastig.

Das Team

Skurril erscheint die neue Chefin Marthalers, jung und aus dem Osten, während ihr abgesägter Vorgänger mittlerweile als Stadtstreicher unterwegs ist. Für den nächsten Band hat der Autor reichlich Konfliktstoff angehäuft: Marthalers Lebensgefährtin Tereza erwartet ein Kind, und beiden drohen erotische Verwicklungen.

Der Autor

Jan Seghers, bürgerlicher Name Matthias Altenburg, wurde 1958 in Fulda geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte, arbeitet als Schriftsteller, Kritiker und Essayist in Frankfurt am Main. 1998 erhielt er den Marburger Literaturpreis, 2008 den Burgdorfer Krimipreis.