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Rezension

Fraün ansprechen für Dummies

Tommy Jauds Roman über einen frustrierten Single vor dem dreissigsten Geburtstag

Rezensionsprojekt Winnweiler

Buchdetails

  • Autor: Tommy Jaud
  • Titel: Vollidiot
  • Verlag: Argon Verlag
  • Seiten: 284

Das Single-Desaster bei IKEA

Nicht alle Männer sind Idioten, so die Prämisse dieses Romans. Manche sind Vollidioten, und in den meisten Fällen handelt es sich dabei um Singles. Nirgendwo wird einem alleinstehenden Mann sein persönliches Scheitern konzentrierter vor Augen geführt als bei IKEA. Mit diesem Einstieg beginnt Tommy Jaud, Jahrgang 1970, seinen Erstlingsroman aus der Perspektive eines frustrierten und vom Pech verfolgten Single-Mannes in den Wochen vor dessen dreissigstem Geburtstag.

Simon Peters kauft einen Single-Sessel, eine Investition, die sein erfolgloses Leben nicht gerade bereichert. Verschuldet, alleinlebend, als T-Punkt-Verkäufer tätig, fehlen ihm jegliche Perspektiven. Der einzige Lichtblick ist der Ausblick von seinem Arbeitsplatz in das Cafe gegenüber, wo Marcia arbeitet, die einzige Frau, mit der er sich eine Zukunft vorstellen kann.

Der lange Weg zur Ansprache

Simon lässt sich trotz zahlreicher Komplikationen, stets verbunden mit Fraün, nicht von seinem Ziel abbringen. Schließlich gelingt es ihm, Marcia anzusprechen. Er schenkt ihr eine Konzertkarte und hofft auf ein Wiedersehen. Doch die traurige Entdeckung folgt: Die Frau seiner Träume existiert nur in seinem Traum.

Durch diesen und weitere Schicksalsschläge geprägt, isoliert sich Simon vollständig. Er versucht, ein Leben ohne Fraün, Freunde und Perspektiven zu führen. Erst an seinem dreissigsten Geburtstag erkennt er, dass seine Freunde trotz seines unkameradschaftlichen Verhaltens zu ihm stehen.

Versehentliche Einladungen

Durch einen dummen Zufall laedt Simon versehentlich alle Kontakte aus seinem Telefonbuch ein, auch jene aus seiner Vergangenheit, mit der er eigentlich abschliessen wollte. Auf der Party beginnt er, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Er beschliesst, an dem Ort, an dem sein Unglück begonnen hat, dieses auch wieder zu beenden.

In einem nächtlichen Ritual verbrennt er seinen Single-Sessel vor dem IKEA-Kaufhaus. Mit diesem Ende setzt der Autor einen Rahmen, der Figur und Leser zum Anfang zurückführt und der Geschichte einen runden Abschluss gibt.

Ironischer Ton mit Schwaechen

Der ironische, teilweise sarkastische und auch vulgäre Ton macht es leicht, sich in Simons Leben hineinzuversetzen. Die Lautschrift, die Jaud verwendet, etwa Grossbuchstaben für laute Ausrufe, verleiht dem Roman zusätzliche Lebendigkeit. Die Geschichte wirkt stimmig und wie aus dem Leben gegriffen, doch manche Abschnitte geraten langatmig und wirken gezwungen lustig.

Diese Art von Literatur wird aufgrund des niedrigen Niveaus nicht jeden Geschmack treffen. Wer jedoch keinen Anstoss nimmt, findet in Vollidiot eine angenehm leichte und amüsante Badewannenlektuere. Vielleicht entdeckt man beim Suchen sogar die eine oder andere Lebensweisheit. Denn Simon Peters ist ein Mann, der verzweifelt versucht, sein Glück zu finden, und dabei übersieht, dass es viel näher liegt als gedacht. Diese Erkenntnis lässt sich durchaus auf die Wirklichkeit übertragen.