Schwimmt mit in die Unterwasserwelt
Liz Kesslers Kinderroman über ein Mädchen, das sein wahres Wesen entdeckt
Buchdetails
- Autorin: Liz Kessler
- Titel: Emilys Geheimnis
- Übersetzerin: Eva Riekert
- Verlag: S. Fischer
- Seiten: 252
Das erste Mal im Wasser
Liz Kessler, ehemalige Lehrerin und Journalistin, wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Mit neun Jahren schrieb sie ihr erstes Gedicht. Ihr Kinderroman Emilys Geheimnis entstand aus einem Gedicht über Meerjungfraün.
Emily Windfang lebt seit ihrer Kindheit mit ihrer Mutter auf einem Boot, obwohl diese panische Angst vor Wasser hat und Emily bisher das Schwimmenlernen verboten hatte. Als Emily in die siebte Klasse kommt und am Schwimmunterricht teilnehmen darf, mischt sie sich unter die erfahrenen Schwimmer. Obwohl sie das erste Mal im Wasser ist, bewegt sie sich wie ein Meermaedchen.
Die Verwandlung
Emily bemerkt, dass etwas Merkwürdiges mit ihr geschieht. Bei nächtlichen Ausflügen aufs Meer verwandelt sie sich in eine Meerjungfrau. Dabei lernt sie Shona Seidenflosse kennen, ein Meermaedchen, das die Nixenschule in Neptuns Reich besucht. Die beiden freunden sich an, und Shona zeigt Emily ihre Heimat.
Im Geschichtsunterricht der Nixenschule werden die erfolgreichsten Schiffsuntergänge durch die Sirenenschwestern durchgenommen. Nebenbei erfährt Emily, dass Beziehungen zwischen Meermenschen und Menschen zunehmen, die König Neptun nicht toleriert. Bei einem Abenteür entdecken die Freundinnen ein gesunkenes Schiff, das Emily an Erzählungen ihrer Mutter erinnert.
Die Suche nach dem Vater
Durch ihre Freundin findet Emily heraus, dass ihr Vater eine verbotene Ehe mit ihrer Mutter geführt hat, obwohl er ein Seemann ist. Diese Erkenntnis löst viele Verwirrungen. Vor der Haustür von Mr. Beeston, einem Freund ihrer Mutter, findet Emily einen passenden Schlüssel für einen Aktenschrank in dem versunkenen Schiff. Dort entdeckt sie Informationen über ihre Familie.
Emily erfährt, dass Mr. Beeston dafür sorgt, dass ihre Mutter sich an nichts erinnert. Sie fährt mit dem Boot aufs Meer, um ihren Vater zu finden. Nach kurzer Wiedersehensfreude wird sie mit ihrer Mutter von Neptuns Gefängniswärtern festgenommen und vor Gericht gestellt. In ihrer Verteidigung appelliert Emily an die Möglichkeit der Veränderung und bittet nur darum, mit ihrem Vater zusammenleben zu dürfen.
Sprache der Meermenschen
Schon der Beginn des Buches fesselt durch die direkte Ansprache der Erzählerin. Die Geschichte aus Emilys Sicht vermittelt ihr lebhaftes Wesen und gewährt Einblick in ihre Gefühlswelt. Das Problem, ohne Vater aufzuwachsen, wird deutlich spürbar. Emilys Faszination am Leben der Meermenschen regt die Phantasie des Lesers an.
Obwohl das Buch für Kinder geschrieben ist, lohnt es sich auch für Erwachsene. Interessant sind die besonderen Ausdrücke der Meermensch-Sprache, etwa zischig statt cool. Die verschachtelte Struktur regt zum genaün Lesen an, ohne es zu erschweren. Das Buch drückt das Recht auf eine zweite Chance aus und die Möglichkeit, ein neüs Leben zu beginnen. Emily verliert nie die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Vater und kämpft für ihren Traum von einer glücklichen Familie. Sie zeigt, dass man erreichen kann, woran man glaubt.