Intrige in den Schweizer Alpen
Martin Suters preisgekrönter Kriminalroman zwischen Mysterium und Realität
Buchdetails
- Autor: Martin Suter
- Titel: Der Teufel von Mailand
- Verlag: Diogenes
- Seiten: 298
Flucht in die Bergidylle
Die junge Sonia lässt ihr bisheriges Leben in der Hektik der Grossstadt zurück und wagt in der Idylle der Schweizer Alpen einen Neubeginn. In einem kleinen Bergdorf sucht sie inneren Frieden und neue Perspektiven. Doch die augenscheinliche Harmonie täuscht. Mysterioese Ereignisse zerstören Sonias aufgebaute Ruhe, und verdrängte Erinnerungen holen sie wieder ein.
Martin Suter, 1948 in Zürich geboren, arbeitete lange als Werbetexter und schrieb satirische Texte. Bekannt wurde er durch Die dunkle Seite des Mondes und Ein perfekter Freund. Sein fünfter Roman Der Teufel von Mailand erhielt 2007 den Friedrich-Glauser-Preis.
Vergangenheit und Bedrohung
Sonia lebt allein in Zürich und versucht, ihre Vergangenheit zu vergessen. Jahre zuvor hat sie sich von einem wohlhabenden Banker scheiden lassen, der die Trennung nie akzeptierte und einen Mordanschlag verübte. Seither sitzt er im Gefängnis und sinnt auf Rache. Die Mutter des Bankers versucht, Sonia zur Rücknahme der Anzeige zu überreden.
Aufgrund ihrer inneren Unruhe beginnt Sonia, LSD einzunehmen. Dies führt zu gestörter Sinneswahrnehmung und Synästhesie. Sie verliert die Realität immer häufiger aus den Augen und leidet an einer Identitätskrise. Als ihr eine Stelle als Physiotherapeutin angeboten wird, zieht sie ins kleine Bergdorf Val Grisch im Engadin.
Die Sage und die Intrige
An ihrem neün Arbeitsplatz, einem Wellness-Hotel, freundet sich Sonia schnell mit Kollegen und der Chefin an. Auf ausgedehnten Wandertouren verdrängt sie ihre Angst. Doch bald geschehen merkwürdige Dinge, die an Ereignisse aus der lokalen Sage Der Teufel von Mailand erinnern. Sie beginnt Nachforschungen und kommt einer infamen Intrige auf die Spur.
Die sprachliche Ausarbeitung ist überzeugend. Beschreibungen und Hintergründe werden detailreich und informativ dargestellt. Die Atmosphäre des Schweizer Bergdorfs wirkt äußerst glaubhaft und realistisch. Geografische Besonderheiten und die charakteristische Architektur des Engadins werden praezise beschrieben.
Sprachliche Stärken, inhaltliche Schwaechen
Dennoch sind einige Personen klischeehaft dargestellt: der alte Trinker, der seine letzte Chance erhält, die junge Karrierefrau, der alle Mittel recht sind. Die wechselnden Perspektiven können verwirrend sein. Der Schreibstil ist oft humorvoll, die Eigenheiten der Dorfbewohner werden witzig thematisiert.
Der Inhalt kann die hohe Qualität der sprachlichen Ausarbeitung nicht erfüllen. Der Handlungsverlauf ist absehbar und schreitet zu gradlinig voran. Stellenweise wirkt die Geschichte wie ein modernes Märchen statt eines Kriminalromans. Das absurde Finale erinnert an einen anspruchslosen Actionfilm. Der Teufel von Mailand erfüllt die Grundvoraussetzungen für eine unterhaltsame und lesenswerte Geschichte, doch herausragende Literatur sollte man nicht erwarten.