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Rezension

Eine Liebe ohne Grenzen

Jodi Picoults Roman vereint Kriminalgeschichte und Liebesroman auf meisterhafte Weise

Rezensionsprojekt Winnweiler

Buchdetails

  • Autorin: Jodi Picoult
  • Titel: Bis ans Ende aller Tage
  • Übersetzerin: Cecile G. Lecaux
  • Verlag: Lübbe
  • Seiten: 638

Idylle und Tragödie

Achtzehn Jahre lang haben die Familien Harte und Gold Tür an Tür gelebt, eine enge Freundschaft gepflegt und ein idyllisches Leben geführt. Doch eines Nachts verändert eine schreckliche Nachricht alles: Emily, die Tochter der Golds, ist tot, gestorben an einer Schusswunde am Kopf. Chris, ihr Freund und Sohn der Hartes, wird schwer verletzt am Tatort gefunden, Emily in seinen Armen haltend. Die Tatwaffe stammt aus dem Waffenschrank seines Vaters.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft steht fest: Chris ist der Mörder. Er behauptet jedoch, es handle sich um einen misslungenen Selbstmordpakt. Nun stehen alle vor einem Rätsel. Warum wollten sich zwei junge Menschen das Leben nehmen, die in Bainbridge, New Hampshire, einem verschlafenen Nest, eine frohe Kindheit durchlebten?

Zwei vorbildliche Familien

Chris' Vater James Harte ist ein angesehener Arzt, Emilys Vater Michäl Gold geniesst einen guten Ruf als Tierarzt. Die Mütter haben gemeinsam viel Zeit mit ihren Kindern verbracht. Beide entwickelten sich zu guten Schülern mit grossen Talenten. Emily galt als aussergewoehnlich begabte Künstlerin mit Zukunftsplänen, Chris als grosses Sporttalent, besonders im Schwimmen erfolgreich.

Die Ermittlungen ergeben, dass Emily schwanger war. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Chris, sie beseitigt zu haben, um seine Zukunft nicht zu verbaün. Auch der Kugelverlauf und die sich daraus ergebende Waffenhaltung gelten als Beweise gegen einen Selbstmord.

Das letzte Selbstportrait

Chris' Anwalt Jordan McAfee stützt sich auf die Aussage, dass ein Doppelselbstmord geplant war. Als Indiz dient ein unvollendetes Selbstportrait Emilys, das völlig von ihrem bisherigen Stil abweicht. Während ihre früheren Bilder Lebensfreude widerspiegelten, zeigt dieses letzte Werk einen Totenschaedel mit herabbaumelnder Zunge.

Die enge Freundschaft zwischen den beiden, die von Geburt an unzertrennlich waren und deren Kindheitsfreundschaft sich zu grosser Liebe entwickelte, führt McAfee als Beweis für Chris' Unschuld an. Zudem bestaetigt Emilys Beraterin, dass sie Chris nichts von ihrer Schwangerschaft erzählt hatte. Der Prozess nimmt eine unvorhergesehene Wendung, als Chris selbst in den Zeugenstand tritt.

Geschickter Wechsel der Zeitebenen

Jodi Picoult wechselt geschickt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Während der Mordfall in der Gegenwart verhandelt wird, werden in Rückblenden die Entwicklung der Liebesbeziehung und familiäre Verstrickungen aufgearbeitet. Diese Verknuepfung von Mordfall und Liebesgeschichte macht das Werk zu etwas Besonderem.

Die Autorin versteht es, durch praezise Beschreibungen die Emotionen der Figuren hautnah zu vermitteln. Stellenweise mag das Buch etwas langatmig sein, dennoch kann man es nicht aus der Hand legen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, während sich das Rätsel erst allmählich auflöst. Am Ende bleiben Fragen ungeklärt, die zum Nachdenken über diese packende Geschichte anregen. Sie spricht jeden an, der erfahren will, was es bedeutet, jemanden vollkommen und bedingungslos zu lieben.