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Rezension

Auf der Suche nach der Wahrheit

Dan Simmons preisgekrönte Science-Fiction-Saga über sieben Pilger und das Rätsel des Shrike

Rezensionsprojekt Winnweiler

Buchdetails

  • Autor: Dan Simmons
  • Titel: Die Hyperiongesänge
  • Übersetzer: Joachim Körber
  • Verlag: Heyne
  • Seiten: 1450

Eine zerstörte Erde

Mit Die Hyperion-Gesänge, der Zusammenfassung der Bände Hyperion und Der Fall von Hyperion, hat Dan Simmons seine preisgekrönte Science-Fiction-Saga vorgelegt. Nachdem die Erde in einer fernen Zukunft durch ein Missgeschick der menschlichen Technik zerstört wurde, verbreitet sich die Menschheit auf verschiedenen Planeten im Weltall.

Die Hegemonie ist ein Zusammenschluss dieser Welten, verbunden durch Wurmlöcher im Raum, die sogenannten Farcasterportale. Neben der Menschheit existieren zwei weitere Lebensformen: die Ousters, menschenähnliche Wesen in der Schwerelosigkeit, und eine künstliche Intelligenz, die sich abspaltete und eine virtülle Stadt gründete, das Techno-Core.

Das Shrike und die Pilger

Auf der Kolonialwelt Hyperion befinden sich unerklärbare Phänomene, die mit einem dort existierenden Wesen zusammenhängen könnten: dem Shrike. Es wird von einem Kult verehrt und als Herr der Schmerzen oder Racheengel bezeichnet. Da die Hegemonie mit einem Krieg rechnet, sendet die Kirche des Shrike sieben Pilger nach Hyperion, um die Rätsel zu erforschen.

Da keiner von ihnen zum Kult gehört, beschliessen die Pilger, sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen. Dabei wird klar, dass jeder in einer gewissen Beziehung zum Shrike steht. Das Buch besteht im Wesentlichen aus diesen sieben Geschichten.

Die Geschichten der Pilger

Der Priester Hoyt berichtet vom Tagebuch des verstorbenen Paul Dure, der bei den verschollenen Bikura auf das lebensverlangernde Artefakt der Kruziform stiess. Der Krieger Kassad lernte in einer Kriegssimulation die geheimnisvolle Moneta kennen und trifft sie auf Hyperion wieder. Der Dichter Silenus, extrem alt durch Kälteschlaf und Poulsen-Behandlungen, will sein Lebenswerk Die Hyperion-Gesänge beenden, seine Muse ist das Shrike.

Der Gelehrte Weintraub ist Vater einer jungen Frau, die durch eine Krankheit jeden Tag jünger wird statt zu altern. Er wird in Träumen vom Shrike aufgefordert, seine Tochter zu opfern. Die Detektivin Lamia trifft einen Cybriden mit der Persönlichkeit des Dichters John Keats, der sie zur Aufklärung seines Pseudo-Mordes beauftragt. Der Konsul erzählt von seinem Grossvater, der einen von der Hegemonie unberührten Planeten kennenlernte und Rache schwor.

Phantasiewelten und Einzelschicksale

Dan Simmons beschreibt vieles bis ins Detail, lässt aber Platz für die Phantasie des Lesers. Die Komplexität der erfundenen Fachwörter wie Farcasterportal oder Anti-Entrophie-Felder kann für Verwirrung sorgen. Dennoch fesselt er den Leser, der sich leicht in die Welt seiner Werke hineinversetzen kann.

Man lernt die Charaktere durch ihre Erzählungen gut kennen, doch gerade diese Einzelschicksale könnten manche Leser aus dem Konzept bringen, da sich alle Faeden erst im zweiten Buch vereinen. Trotz der überdurchschnittlichen Länge von 1450 Seiten und der teilweise verwirrenden Thematik ist das Buch überaus interessant und fesselnd geschrieben. Jedem, der an Science-Fiction-Sagen wie Star Wars Gefallen gefunden hat, sind Die Hyperion-Gesänge zu empfehlen.