Alois Hotschnig
Meister der Sprache und Inszenierung
Auf einen Blick
- Geboren: 3. Oktober 1959 in Berg, Kärnten
- Wohnort: Innsbruck
- Beruf: Schriftsteller
- Bekannt für: Leonardos Hände, Ludwigs Zimmer
Ein Sprachkuenstler aus Kärnten
Die Texte von Alois Hotschnig fordern Aufmerksamkeit und Hingabe. Die eigenwillige Dynamik seiner Sprache zieht den Leser unwillkürlich in ihren Bann. Als "bedaechtiger Sprachkuenstler" wurde er bei der Verleihung des Italo-Svevo-Literaturpreises 2002 gewürdigt - für absolute Treue zu seinem Werk, unabhängig vom literarischen Markt.
Hotschnig studierte Medizin, Germanistik und Anglistik in Innsbruck. Seit 1989 lebt er als freier Schriftsteller zwischen Innsbruck und Villach. Max Frisch war es, der ihm die Augen öffnete für die Möglichkeiten der Literatur - als er erkannte, dass dessen Texte etwas mit seinem eigenen Leben zu tun haben.
Themen und Schreibweise
Tod und Schuld sind die grossen Themen Hotschnigs. Seine Themen sind nicht zeitgemäss, nicht chic - sozialkritisch kreisen sie um Krankheit und die Nähe zum Tod. Die alpenländische Herkunft hat seinen Blick für die abgelegenen, riskanten Landschaften des Daseins geschärft.
Hotschnig versteht es, sich in die unterschiedlichsten Charaktere hineinzufühlen. Seine Erzählung "Eine Art Glück" gilt als Meisterwerk der Empathie. Wie ein Artist verbindet er verschiedene Komponenten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, und zwingt dadurch, das Bewusstsein zu weiten.
Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem "unaufgewachten" Menschen, der sich - oft krank und in sich gefangen - dem Schicksal ausgeliefert fühlt. Wie ein Arzt beschäftigt er sich mit den Krankheitssymptomen der Menschen und legt deren hilflosen Umgang damit düster, aber praezise dar. Die ausgereifte Schönheit seiner Sprache bildet dabei den mildernden Gegenpol.
Die wichtigsten Werke
Aus (1989)
Seine erste Erzählung, mit der er debüturierte.
Eine Art Glück (1990)
Die Geschichte des Behinderten Paul, der ohne Beine zur Welt kam und versucht, mit dem Unverständnis seiner Umwelt zurechtzukommen. Thomas Rothschild nannte es in der Frankfurter Rundschau "ein Stück bedeutende Literatur".
Leonardos Hände (1992)
Der Roman handelt vom Techniker Kurt Weyrath, der einen Unfall verursacht und sich unerkannt um die schwer verletzte Kunststudentin Anna Kainz kuemmert. Helmut Schödel schrieb in der ZEIT: "Vergleicht man Hotschnigs ersten Roman mit seinen frühen Erzählungen, erscheint er uns jetzt fast als Virtuose."
Ludwigs Zimmer (2000)
Ein Roman über Schuld, Schicksal und Tod im Zusammenhang mit dem Nachwirken der NS-Zeit. Kritiker hoben die grosse sprachliche Radikalität des Textes hervor.
Auszeichnungen
- 1986: Erster Preis des Lyrikwettbewerbs der Literarischen Gesellschaft St. Pölten
- 1989: Förderungspreis des Landes Kärnten für Literatur
- 1992: Literaturpreis des Deutschen Literaturfonds Darmstadt (New-York-Stipendium)
- 1992: Preis des Landes Kärnten im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs
- 1993: Anna-Seghers-Stipendium für Literatur
- 1999/2000: Robert-Musil-Stipendium
- 2002: Italo-Svevo-Literaturpreis
Bedeutung
Hotschnigs radikale, zur Lakonie neigende Leidensprosa mag nicht immer dem Zeitgeschmack entsprechen. Doch gerade seine Kompromisslosigkeit macht ihn zu einem der wichtigsten österreichischen Gegenwartsautoren. Sein Ziel, wie er selbst sagt: "Mir selber gerecht zu werden. Das Buch zu schreiben, das nur ich für mich schreiben kann."