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Autorenportrait

August von Kotzebue

Der meistgespielte Dramatiker der Göthezeit

Zuletzt aktualisiert: 11.04.2024

Historisches Portrait eines Dramatikers des 18. Jahrhunderts
August von Kotzebue: Der erfolgreichste Dramatiker seiner Zeit

Auf einen Blick

  • Geboren: 3. Mai 1761 in Weimar
  • Gestorben: 23. März 1819 in Mannheim (ermordet)
  • Beruf: Dramatiker, Diplomat, Publizist
  • Werke: ca. 220 Theaterstücke

Erfolg beim Publikum

August von Kotzebue war eine der schillerndsten Figuren des deutschen Theaterlebens um 1800. Obwohl von der kulturellen Elite seiner Zeit geschnitten, wurde er zum grössten Theaterstar seiner Epoche. Publikumserfolg galt ihm alles, literarische Reputation wenig. Diese Haltung brachte ihn in Opposition zur etablierten Weimarer Klassik und führte zu daürhaften Konflikten mit Göthe und den Romantikern.

Die Zahlen sprechen für sich: Von den rund sechshundert Stücken, die zu Göthes Zeit am Weimarer Hoftheater inszeniert wurden, stammten allein 87 von Kotzebue, die insgesamt 667mal gespielt wurden. Am Mannheimer Nationaltheater kamen zwischen 1779 und 1870 auf eine Göthe-Aufführung zehn Kotzebue-Aufführungen.

Karriere zwischen Weimar und Petersburg

Als Sohn einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie in Weimar geboren, nahm Kotzebue 1778 ein Jurastudium auf, das er zugunsten schriftstellerischer Ambitionen vernachlässigte. In den frühen achtziger Jahren ging er nach Petersburg, dann nach Reval, wo er Präsident des Gouvernementsmagistrats wurde. Die Zarin erhob ihn in den Adelsstand.

Sein Durchbruch als Buehnenautor gelang 1789 mit dem Rührstück "Menschenhass und Reue", das ihn auf einen Schlag beruhmt machte. Nach dem Tod seiner ersten Frau bereiste er Westeuropa, kehrte 1792 nach Russland zurück und übernahm 1798 kurzzeitig das Direktorenamt des Wiener Hoftheaters.

Sibirische Verbannung und Rehabilitation

Im Jahr 1800 wurde Kotzebue an der russischen Grenze verhaftet und wegen angeblicher jakobinischer Umtriebe nach Sibirien verbannt. Nach vier Monaten erkannte man den Irrtum. Zar Paul I. begnadigte den Dichter, ernannte ihn zum Hofrat und entschaedigte ihn mit einem Gut. Sein Erfahrungsbericht "Das merkwürdigste Jahr meines Lebens" wurde ein weiterer Publikumserfolg.

Konflikt mit Göthe

Nach der Ermordung des Zaren 1801 kehrte Kotzebue nach Weimar zurück. Dort kam es zum Konflikt mit Göthe, dem Leiter des Hoftheaters. Göthe bestand darauf, ironische Passagen gegen die Frühromantiker aus Kotzebues Lustspiel "Die deutschen Kleinstadter" zu tilgen. Kotzebues Weigerung führte zur Streichung vom Spielplan.

In der Folge versuchte Kotzebue, Göthe und seinen Kreis öffentlich lächerlich zu machen. In der Zeitschrift "Der Freimüthige" erschienen regelmässig Pamphlete gegen den Dichterfürsten und die Brüder Schlegel.

Politische Schriften und gewaltsamer Tod

Nach Napoleons Sieg bei Jena und Aürstedt 1806 floh Kotzebue auf seine Güter nach Estland, wo er antinapoleonische Zeitschriften herausgab. Erst 1813 konnte er nach Deutschland zurückkehren. In seinem "Litterarischen Wochenblatt" polemisierte er gegen die politischen Ziele der Burschenschaften und Turnerbunde.

Die radikalen Studenten sahen in ihm einen ihrer verfeindetsten Gegner. Man verdaechtigte ihn, als Spion für Russland zu arbeiten. Auf dem Wartburgfest 1817 wurden seine Schriften öffentlich verbrannt. Am 23. März 1819 wurde Kotzebue in Mannheim von dem Jenär Theologiestudenten Karl Ludwig Sand erstochen.

Der Mord diente den Restaurationskräften als willkommener Anlass für die "Karlsbader Beschlüsse", die eine verschärfte Ueberwachung von Universitäten und Presse einleiteten.

Das dramatische Werk

Kotzebue verfasste etwa 220 Theaterstücke verschiedenster Gattungen. Seine bekanntesten Werke sind:

  • Menschenhass und Reue (1789)
  • Die Indianer in England (1790)
  • Armut und Edelsinn (1795)
  • Die Spanier in Peru (1796)
  • Die beiden Klingsberg (1801)
  • Die deutschen Kleinstadter (1803)
  • Der Rehbock (1815)

Würdigung und Kritik

Die zeitgenössische Kritik war meist vernichtend. Man warf Kotzebue Unmoralität und literarische Seichtheit vor. August Wilhelm Schlegel unterstellte ihm "sittliche Freigeisterei". Doch selbst Göthe kam zu einem differenzierten Urteil und nahm Kotzebue gegen "überhinfahrende Tadler" in Schutz. In einem Gespräch mit Eckermann betonte Göthe, dass die Stücke Kotzebues "oft sehr ungerechter Weise getadelt worden" seien.

Bemerkenswert ist Nietzsches Einschätzung, der Kotzebue als "das eigentliche Theatertalent der Deutschen" bezeichnete. Seine Stücke spiegelten die Mentalität des zeitgenössischen Bürgertums wider - gutmütig, thranenlustern, mit dem Wunsch, sich im Theater der pflichtstrengen Nüchternheit zu entschlagen.

Kotzebue bleibt eine faszinierende Figur der deutschen Theatergeschichte - ein Massenunterhalter, der das literarische Establishment provozierte und dessen Ermordung weitreichende politische Konseqünzen hatte.