Johannes Mario Simmel
Der Bestsellerautor mit Gewissen
Auf einen Blick
- Geboren: 7. April 1924 in Wien
- Gestorben: 1. Januar 2009 in Zug, Schweiz
- Beruf: Schriftsteller, Drehbuchautor, Journalist
- Bekannt für: Es muss nicht immer Kaviar sein
- Verkaufte Bücher: über 70 Millionen weltweit
Wer zu den erfolgreichsten Autoren der Welt gehört, kann auf die ungeteilte Zuneigung der Literaturkritik selten hoffen. Johannes Mario Simmel wurde vom Publikum verwoehnt, von den Waechtern des guten Geschmacks hingegen lange als Meister des Trivialen abgetan. Erst in späteren Jahren wurde der Ton in den Feuilletons milder. Dabei übersah die Kritik oft, dass Simmels Romane stets mehr waren als blosse Unterhaltung: Sie verbanden spannende Handlungen mit zeitgeschichtlicher Aufklärung.
Frühe Jahre und Kriegszeit
Johannes Mario Simmel wurde 1924 in Wien als Sohn eines jüdischen Vaters geboren. Dieser konnte während des Krieges auf abenteürliche Weise nach England fliehen, wo er im Januar 1945 starb, ohne dass der Sohn ihn noch einmal gesehen hätte.
Nach dem Realgymnasium besuchte Simmel eine Staatslehr- und Versuchsanstalt für Chemie und schloss als Diplom-Chemieingenieur ab. Gegen Ende des Krieges fand er Arbeit in einem Kohle-Laboratorium, wo er für die nationalsozialistische Kriegswirtschaft arbeiten sollte. Wesentliches habe er hierzu glücklicherweise nicht beitragen können, bemerkte Simmel später rückblickend.
Vom Journalisten zum Bestsellerautor
Nach 1945 arbeitete Simmel eine Zeit lang als Dolmetscher für die amerikanische Besatzungsmacht. Die Befreier schenkten dem politisch unbedenklichen jungen Mann eine Schreibmaschine und einen Packen Papier. In einem Hinterzimmer entstand daraufhin sein erster Roman Mich wundert, dass ich so froehlich bin, der 1949 erschien. Bereits zwei Jahre zuvor war seine erste Novellensammlung Begegnung im Nebel veröffentlicht worden.
Ab 1950 arbeitete Simmel als Reporter bei der Illustrierten Quick. Er reiste durch ganz Europa und Amerika, um über die brennenden Probleme der Zeit zu berichten. Diese intensive Recherchearbeit sollte sein späteres literarisches Schaffen prägen.
Der Durchbruch mit Thomas Lieven
Weltberuehmt wurde Simmel mit seinem 1960 erschienenen Roman Es muss nicht immer Kaviar sein. Die Geschichte handelt von Thomas Lieven, einem Agenten wider Willen, der für vier Geheimdienste arbeitet und sich mit sechzehn falschen Pässen aus neun Ländern durchs Leben schlägt - immer mit Stil, gutem Essen und schönen Fraün.
In den folgenden Jahrzehnten folgten rund dreissig weitere Romane. Besonders in den frühen fünfziger Jahren veröffentlichte Simmel auch Kinderbücher, daneben zahlreiche Drehbücher für Regisseure wie Kurt Hoffmann, Eduard von Borsody, Willi Forst und Robert Siodmak. Auch viele seiner eigenen Werke wurden verfilmt, etwa von Wolfgang Staudte und Peter Zadek.
Faction - Unterhaltung mit Anspruch
Gehirn und Herz seiner Leser sollten gleichermassen angesprochen werden, erklärte Simmel einmal. Das bedeutete: Aufklärung und Unterhaltung, grosse Politik und noch grössere Gefühle. Faction nannte er seine Art zu schreiben - eine Mischung aus Fiktion und Tatsachen.
Immer wieder brachte er eine Unmasse an zeitgeschichtlichen Fakten in seinen Romanen unter, gründlich recherchiert und spannend verpackt. Er schrieb über internationalen Terrorismus in Liebe ist die letzte Brücke von 1999, über die Gefahren der Gen-Manipulation in Doch mit den Clowns kamen die Tränen von 1987, über die Verlogenheit der Skandalpresse in Der Stoff, aus dem die Träume sind von 1971, über Gewalt gegen Ausländer in Auch wenn ich lache, muss ich weinen von 1992, über Rauschgift-Kartelle in Wir heissen euch hoffen von 1980 und über ökologische Katastrophen in Im Frühling singt zum letztenmal die Lerche von 1990.
Politisches Engagement
Unendlich düster sei sein Weltbild, bekannte Simmel. Seinen Traum von einer menschlicheren Welt wollte der unverbesserliche Romantiker dennoch nicht aufgeben. Leben und Mitleid haben gehörten zusammen, lässt er seinen Helden Robert Faber in Träum den unmöglichen Traum von 1996 ausrufen.
Auf die Hilfe der Politiker wollte sich Simmel nicht verlassen. Er mischte sich lieber selbst ein, wetterte gegen korrupte Wirtschaftsmanager, rechtslastige Richter und die Machenschaften der Rüstungsindustrie. Seine gesammelten Zornausbrüche über unsere wahnsinnige Welt finden sich in seinem Buch Die Bienen sind verrückt geworden von 2001.
Auszeichnungen
Simmel erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter 1991 den Award of Excellence der Society of Writers der Vereinten Nationen. 1992 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse verliehen. 1993 erhielt er für seine besonderen Verdienste um verfolgte Autoren die Hermann-Kesten-Medaille des Deutschen PEN-Zentrums.
Wichtige Werke
- "Begegnung im Nebel", Novellen, 1947
- "Mich wundert, dass ich so froehlich bin", Roman, 1949
- "Es muss nicht immer Kaviar sein", Roman, 1960
- "Der Stoff, aus dem die Träume sind", Roman, 1971
- "Wir heissen euch hoffen", Roman, 1980
- "Doch mit den Clowns kamen die Tränen", Roman, 1987
- "Im Frühling singt zum letztenmal die Lerche", Roman, 1990
- "Auch wenn ich lache, muss ich weinen", Roman, 1992
- "Träum den unmöglichen Traum", Roman, 1996
- "Liebe ist die letzte Brücke", Roman, 1999
- "Die Bienen sind verrückt geworden", Essays, 2001