Christian Dietrich Grabbe
Ausgewählte Forschungsliteratur zum Dramatiker des Vormärz
Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) gehört zu den bedeutendsten und zugleich umstrittensten Dramatikern des deutschen Vormärz. Sein Werk, das zwischen radikaler Gesellschaftskritik und nihilistischer Verzweiflung oszilliert, hat die Forschung seit dem 19. Jahrhundert beschäftigt. Die folgende Zusammenstellung bietet einen Überblick über wichtige Publikationen.
Gesamtdarstellungen und Biographien
Zu den grundlegenden Arbeiten zählt die Monographie von Lothar Ehrlich (Berlin 1983), die Leben, Werk und Wirkung Grabbes im Zusammenhang darstellt. Roy C. Cowen hat mit seiner Studie über den Dramatiker ungelöster Widersprüche (Bielefeld 1998) einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Grabbes widersprüchlicher Persönlichkeit geleistet.
Ladislaus Loeb veröffentlichte in der Reihe Sammlung Metzler (Stuttgart/Weimar 1996) eine kompakte Einführung, die sich besonders für den ersten Zugang eignet. Olaf Kutzmutz untersucht Grabbe als Klassiker ex negativo (Bielefeld 1995).
Rezeptionsgeschichte
Alfred Bergmanns sechsbändige Dokumentation von Grabbes Werken in der zeitgenössischen Kritik (Detmold 1958-1966) ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk für die Rezeptionsforschung. Michäl Vogt hat die Rezeption der Dramen von 1827 bis 1945 untersucht (Frankfurt/M. und Bern 1983) und dabei auch die problematische Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus beleuchtet.
Die Frage nach Grabbes Verhältnis zum Antisemitismus wurde von Lothar Ehrlich und Gerhard Scheele kritisch aufgearbeitet.
Das Lustspiel Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung
Grabbes Komödie hat besonders intensive Aufmerksamkeit gefunden. Benno von Wiese interpretierte das Stück als Vorform des absurden Theaters. Gerhard Kaiser analysierte es als Komödie der Verzweiflung (Der Deutschunterricht 1959). Diethelm Brüggemann untersuchte die Stellung des Stücks in der Tradition der deutschen Komödie (1977).
Winfried Freund widmete sich dem Verhältnis von Spiel und Ernst (1988), während Ralf Schnell die ironische Struktur als Lustspiel im Gewand eines Traürspiels herausarbeitete (1989). Volker Klotz analysierte die Komödie unter dem Aspekt des literarischen Stoffwechsels (1987).
Dramaturgie und Theaterpraxis
Wolfgang Hegele legte eine grundlegende Untersuchung zu Grabbes Dramenform vor (München 1970). Peter Michelsen ordnete die Dramatik in das Handbuch des deutschen Dramas ein (Düsseldorf 1980). Herbert Ihering dokumentierte Aufführungen in der Weimarer Republik.
Maria Porrmann untersuchte die Rolle des Zuschaürs in Grabbes Dramen (1998), Hans-Werner Nieschmidt analysierte die Beziehungen zwischen Brecht und Grabbe (Detmold 1979).
Symposien und Sammelbände
Die Grabbe-Gesellschaft hat mehrere wichtige Sammelbände herausgegeben. Das Symposium von 1987, dokumentiert von Werner Brör und Detlev Kopp, bot grundlegende Beiträge zum Werk. Ein weiterer Band (Tübingen 1990) versammelte Aufsätze über Grabbe und die Dramatiker seiner Zeit, darunter Vergleiche mit Büchner.
Das Grabbe-Jahrbuch bietet seit seiner Gründung ein Forum für die laufende Forschung.
Einzelaspekte
Die Forschung hat verschiedene Aspekte von Grabbes Werk beleuchtet: Antonio Cortesi untersuchte die Logik von Zerstörung und Grössenphantasie (Bern/Frankfurt/New York 1986). Manfred Schneider analysierte Destruktion und utopische Gemeinschaft (Frankfurt/M. 1973). Carl Wiemer beschäftigte sich mit dem Paria als Unmensch und der Genealogie des Anti-Humanitarismus (Bielefeld 1997).
Yvonne Arnhold untersuchte die Fraünbilder in Grabbes Dramen (Bielefeld 1994). Dietrich Busse analysierte die Darstellung von Geschichte als Prozess (Grabbe-Jahrbuch 1986).
Vergleichende Studien
Das Verhältnis zu Georg Büchner hat zahlreiche Untersuchungen hervorgerufen. Martin Greiner behandelte beide Autoren in seiner Studie Zwischen Biedermeier und Bourgeoisie (Göttingen 1953). Rudolf Jancke verglich Napoleon und Dantons Tod (GRM 1927). Lothar Ehrlich untersuchte dramaturgische Tradition und Innovation bei beiden Autoren (1990).
Arild Christensen verglich Titanismus bei Grabbe und Kierkegaard (Orbis Litterarum 1959). Thomas Höhle analysierte Grabbes Auseinandersetzung mit Göthe (1970).
Frühe Forschung
Bereits im 19. Jahrhundert setzte die wissenschaftliche Beschäftigung mit Grabbe ein. Karl Ziegler veröffentlichte 1855 eine frühe Studie über Grabbes Leben und Charakter. Ferdinand Josef Schneider legte 1934 eine umfassende Darstellung von Persönlichkeit und Werk vor.