| Aus Liebe zum geschriebenen Wort
Startseite » Sekundärliteratur » Autoren » Johann Nestroy
Sekundärliteratur

Johann Nepomuk Nestroy

Forschungsliteratur zum Meister des Wiener Volkstheaters

Zuletzt aktualisiert: 30.06.2024

Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862) gilt als der bedeutendste Vertreter des Wiener Volkstheaters im 19. Jahrhundert. Seine Possen und Zauberposse verbinden brillante Sprachkomik mit scharfer Gesellschaftssatire. Die Forschung hat sich intensiv mit seinem umfangreichen Werk auseinandergesetzt.

Grundlegende Monographien

Franz Heinrich Mautners Monographie Nestroy (Heidelberg 1974, Neuausgabe Frankfurt/M. 1978) gilt als Standardwerk. Mautner hat das Verständnis für Nestroys sprachliche Kunst massgeblich geprägt. Jürgen Heins Einführung in der Sammlung Metzler (Stuttgart 1990) bietet einen kompakten Überblick.

Otto Basils Bildmonographie in der Reihe rowohlts monographien (Reinbek 1967) verbindet biographische Information mit reichem Bildmaterial. Peter Cersowsky legte 1992 eine philosophisch orientierte Einführung vor.

Biographien

Helmut Ahrens zeichnete in seiner Biographie (Frankfurt/M. 1982) ein lebendiges Bild von Nestroys Leben. Kurt Kahl bezeichnete Nestroy in seiner Studie als den wienerischen Shakespeare (Wien/München/Zürich 1970). Otto Forst de Battaglia würdigte ihn bereits 1932 als Abschätzer der Menschen, Magier des Wortes.

Das Wiener Volkstheater

Jürgen Hein behandelte in seinen Erträgen der Forschung das Wiener Volkstheater mit Schwerpunkt auf Raimund und Nestroy (Darmstadt 1991, zürst 1978). Dieses Werk bietet den besten Überblick über die Forschungslage. Laurence Victor Harding verglich die dramatische Kunst Raimunds und Nestroys (The Hague/Paris 1974).

Victor Klemperer hatte bereits 1902 beide Dramatiker vergleichend untersucht. Ludwig Kert widmete seine Dissertation den beiden Wiener Volksschauspielern (Wien 1936).

Zu einzelnen Werken

Der Talisman hat besondere Aufmerksamkeit gefunden. Helmut Herles untersuchte die Entstehung des Stücks von der ersten Notiz zum vollendeten Werk (München 1974). Peter K. Jansen analysierte Märchen und Wirklichkeit in der Posse (Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 1980).

Zu Lumpazivagabundus liegt eine kommentierte Ausgabe mit Erläuterungen und Dokumenten von Jürgen Hein vor (Stuttgart 1979). Henk Koning untersuchte die Vorlage des Stücks (Nestroyana 1990).

Der Zerrissene wurde von Oskar Katann (1932) und von Jürgen Hein im Rahmen einer Komödiensprache-Studie (Münster 1988) analysiert.

Sprache und Komik

Siegfried Brill legte eine grundlegende Untersuchung zur Komödie der Sprache vor (Nürnberg 1967). Klaus Boeckmann analysierte die Elemente des Komischen (Diss. Hamburg 1970). Alphons Hämmerle untersuchte Komik, Satire und Humor (Diss. Freiburg/Schweiz 1947).

Jürgen Hein widmete sich der Bedeutung der Couplets in den Possen (Neue Zürcher Zeitung 1976). Hugo Aust analysierte die Sprachspiele des Geldes im Lichte Wittgensteins (WW 1989). Andrew W. Barker untersuchte die Verbindung zwischen Nestroy und Wittgenstein (German Life and Letters 1986).

Parodie und Satire

Helmut Bachmaier behandelte die Parodie als Ueberbietung der Posse am Beispiel von Judith und Holofernes (Der Deutschunterricht 1985). Bruno Hannemann untersuchte diese Travestie des Übermenschen mit Ausblick auf Brecht (Maske und Kothurn 1975). Max Bührmann widmete seine Dissertation den Parodien Nestroys (Kiel 1933).

Theaterwissenschaftliche Studien

Johann Hüttner forschte intensiv zur Theatergeschichte: Wiener Nestroyaufführungen vom Tode des Autors bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (Diss. Wien 1965), Nestroy im Theaterbetrieb seiner Zeit (Maske und Kothurn 1977), Vor- und Selbstzensur bei Johann Nestroy (Maske und Kothurn 1980).

Ansgar Hillach analysierte die Dramatisierung des komischen Dialogs sowie Figur und Rolle bei Nestroy (München 1967). Franz Hadamowsky dokumentierte das Carltheater unter Nestroys Direktion (Wien 1926).

Gesellschaftliche Aspekte

Guenter Berghaus untersuchte die Revolutionspossen vor dem Hintergrund der österreichischen Sozialgeschichte des Vormärz (Diss. FU Berlin 1977). Alois Eder analysierte die literarische Sozialkritik im Vormärz (Beiträge zur historischen Sozialkunde 1973) und die Sozialgeschichte der Nestroy-Rezeption (1973).

Wolfgang Häusler kommentierte die vorrevolutionäre Posse Der Schützling aus historischer Perspektive (Römische Historische Mitteilungen 1989).

Weltanschauung und Philosophie

Franz Heinrich Mautner untersuchte Nestroy als Philosoph (Nestroyana 1982). Guenter Berghaus forschte zu den Qüllen von Nestroys Weltanschauung und Lebensphilosophie (Nestroyana 1982). Christoph Kuhn analysierte Witz und Weltanschauung in den Auftrittsmonologen (Diss. Zürich 1966).

Forschungsberichte

Jürgen Hein hat die Nestroyforschung in mehreren Überblicken dokumentiert: 1901-1966 (WW 1968) und 1967-1973 (WW 1975). Die Zeitschrift Nestroyana, herausgegeben von der Internationalen Nestroy-Gesellschaft, bietet ein laufendes Forum für die Forschung.

Karl Kraus und die Nachwirkung

Karl Kraus' Essay Nestroy und die Nachwelt (Die Fackel 1912) hat die moderne Würdigung Nestroys wesentlich beeinflusst. Horst Jarka untersuchte den Einfluss Nestroys auf das oppositionelle Theater im österreichischen Ständestaat am Beispiel Jura Soyfers (Maske und Kothurn 1978).