Jahrhundertwende und Fin de Siecle
Forschungsliteratur zur Literatur um 1900
Die Zeit um 1900 war eine Epoche des Umbruchs und der ästhetischen Experimente. Begriffe wie Fin de Siecle, Jahrhundertwende und Wilhelminismus bezeichnen unterschiedliche Aspekte dieser komplexen Periode, die vom Naturalismus über den Impressionismus bis zu den Anfängen des Expressionismus reicht.
Grundlegende Studien
Jens Malte Fischer veröffentlichte den Kommentar zu einer Epoche Fin de siecle (München 1978). Roger Baür, Eckard Heftrich, Helmut Koopmann und andere gaben einen wichtigen Sammelband zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende heraus (Frankfurt 1977). Helmut Kreuzer edierte den Band Jahrhundertende - Jahrhundertwende als Teil des Neün Handbuchs der Literaturwissenschaft (Wiesbaden 1976).
Hans Hinterhaüsers Fin de Siecle. Gestalten und Mythen (München 1977) analysiert die charakteristischen Figuren der Epoche. Franz Norbert Mennemeier veröffentlichte eine zweibändige Darstellung europaeisch-deutscher Literaturtendenzen 1870-1910 (Bern u.a. 1985/1988).
Wilhelminismus und Theater
Hans-Peter Bayerdörfer, Karl Otto Conrady und Helmut Schanze gaben einen Band zu Literatur und Theater im Wilhelminischen Zeitalter heraus (Tübingen 1978). Norbert Jaron, Renate Moehrmann und Hedwig Müller dokumentierten das Berliner Theater der Jahrhundertwende (Tübingen 1986).
Peter Haida untersuchte die Komödie um 1900 und ihre Wandlungen von Hauptmann bis Sternheim (München 1973). Roswitha Flatz analysierte das aktülle Militärstück auf dem Theater des Kaiserreichs (Frankfurt 1976).
Moderne und Naturalismus
Malcolm Bradbury und James McFarlane gaben den Sammelband Modernism 1890-1930 heraus (Harmondsworth/New York 1976). Udo Köster behandelte die Überwindung des Naturalismus in deutscher Literatur um 1900 (Hollfeld 1979). Martin Machatzke untersuchte die Entwicklung vom naturalistischen zum symbolistischen Drama (Grillparzer-Forum 1977).
Jugend in Wien
Ludwig Greve und Werner Volke dokumentierten in einer Ausstellung des Schiller-Nationalmuseums Jugend in Wien. Literatur um 1900 (München 1974). Manfred Diersch untersuchte Empiriokritizismus und Impressionismus sowie die Beziehungen zwischen Philosophie, Ästhetik und Literatur um 1900 in Wien (Berlin 1977).
Heide Eilert analysierte die Rokoko-Rezeption des Fin de siecle am Beispiel von Schnitzlers Komödie der Verführung (Sprachkunst 1991).
Dämonisierung und Dekadenz
Horst Fritz behandelte die Dämonisierung des Erotischen in der Literatur des Fin de Siecle (1977). Erwin Koppen untersuchte den Dekadenten Wagnerismus in der europaeischen Literatur (Berlin/New York 1973). Thomas Nolden analysierte den Decadent und seinen Arzt in der europaeischen Literatur der Jahrhundertwende (Arcadia 1989).
Schein und Sein
Jost Hermand veröffentlichte Der Schein des schönen Lebens. Studien zur Jahrhundertwende (Frankfurt 1972). Er untersuchte auch Gralsmotive um die Jahrhundertwende (DVjs 1962) und den Deprarierten Idealismus in der Dramentheorie (1981).
Markus Fischer behandelte Augenblicke um 1900 in Literatur, Philosophie, Psychoanalyse und Lebenswelt (Frankfurt u.a. 1986).
Literaturgeschichte
Klaus G. Just behandelte die Zeit von der Gründerzeit bis zur Gegenwart (Bern/München 1973). Hans Kaufmann untersuchte Krisen und Wandlungen der deutschen Literatur von Wedekind bis Feuchtwanger (2. Aufl. Berlin/Weimar 1969). Georg Lukacs analysierte die deutsche Literatur im Zeitalter des Imperialismus (Berlin 1945).
Fritz Martini überblickte die deutsche Literatur zwischen 1880 und 1950 (DVjs 1952). Eike Middell verglich deutsche und österreichische Literatur der Jahrhundertwende (Berlin 1993).
Gesellschaft und Kultur
Wolfgang J. Mommsen analysierte die Herausforderung der bürgerlichen Kultur durch die künstlerische Avantgarde (Geschichte und Gesellschaft 1994). Hans Wilhelm Rosenhaupt untersuchte die Abgelösteheit des deutschen Dichters um die Jahrhundertwende von der Gesellschaft (Diss. Bern 1939).
Torsten Bügner und Gerhard Wagner behandelten das Verhältnis der Generationen im Deutschen Reich 1871-1918 (Zeitschrift für Soziologie 1991).
Fraün und Jugend
Gail Finney untersuchte Women in Modern Drama am europaeischen Theater um die Jahrhundertwende (Ithaca/London 1989). Michäla Giesing analysierte Ibsens Nora und die wahre Emanzipation der Frau im Wilhelminischen Theater (Frankfurt u.a. 1984).
Ulfried Geuter behandelte die Jugend in der deutschen Literatur um 1900 als Zeit der Krisen (1986).