Restauration, Biedermeier, Vormärz und Junges Deutschland
Forschungsliteratur zur deutschen Literatur zwischen 1815 und 1848
Die Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Märzrevolution 1848 ist literaturgeschichtlich durch verschiedene, teils gegensätzliche Strömungen geprägt: das zurückgezogene Biedermeier, das politisch engagierte Junge Deutschland und den revolutionären Vormärz. Die Forschungsliteratur zu dieser komplexen Epoche ist entsprechend umfangreich.
Grundlegende Darstellungen
Martin Greiner veröffentlichte die einflussreiche Studie Zwischen Biedermeier und Bourgeoisie (Göttingen 1953). Jost Hermand und Manfred Windfuhr gaben einen wichtigen Sammelband Zur Literatur der Restaurationsepoche heraus (Stuttgart 1970). Wolfgang Hardtwig behandelte den Vormärz in seiner Studie Der monarchische Staat und das Bürgertum (4. Aufl. München 1998).
Peter Hasubek versammelte Arbeiten zur deutschen Literatur zwischen 1820 und 1850 unter dem Titel Vom Biedermeier zum Vormärz (Frankfurt 1996). Helmut Bock dokumentierte Lebensbilder aus Vormärz und Biedermeier unter dem Titel Aufbruch in die Bürgerwelt (Münster 1994).
Das Junge Deutschland
Georg Brandes legte 1904 eine frühe Studie zum Jungen Deutschland vor. Ludwig Geiger untersuchte das Junge Deutschland und die preussische Zensur (Berlin 1900). Jan-Christoph Hauschild dokumentierte das Verbot von 1835 und die Zensur im Vormärz (Düsseldorf 1985).
Jost Hermand gab einen Qüllenband mit Texten und Dokumenten zum Jungen Deutschland heraus (Stuttgart 1966). Walter Hömberg analysierte Zeitgeist und Ideenschmuggel, die Kommunikationsstrategie des Jungen Deutschland (Stuttgart 1975).
Drama und Theater
Horst Denkler veröffentlichte mehrere grundlegende Studien: Restauration und Revolution behandelt politische Tendenzen im deutschen Drama (München 1973), weitere Aufsätze analysieren das Drama der Jungdeutschen und die aristophanische Komödie als Modell für das politische Lustspiel im Vormärz.
Martin Brunkhorst untersuchte Drama und Theater der Restaurationszeit (Heidelberg 1985). Peter Hacks widmete seine Dissertation dem Theaterstück des Biedermeier (Diss. München 1951).
Literarische Öffentlichkeit
Peter Uwe Hohendahl analysierte die literarische und politische Öffentlichkeit sowie die neue Kritik des Jungen Deutschland (München 1974). Helga Brandes untersuchte die Zeitschriften des Jungen Deutschland als literarisch-publizistische Öffentlichkeit (Opladen 1991).
Alfred Estermann dokumentierte die deutschen Literatur-Zeitschriften 1815-1850 in zehn Bänden (Nendeln 1977-1981). Karl Glossy gab literarische Geheimberichte aus dem Vormärz heraus (Wien 1912).
Zensur und Politik
Hugo Aust untersuchte Gottes rote Tinte und die Rechtfertigung der Zensur in der Restaurationszeit (Nestroyana 1989). Walter Hömberg behandelte die verhinderte Liberalisierung zwischen Juli- und Märzrevolution (1982). Emil Jenal analysierte den Kampf gegen die jungdeutsche Literatur (ZfdPh 1933).
Autorinnen des Vormärz
Helga Brandes veröffentlichte eine Studie zu Autorinnen des Vormärz (Bielefeld 1997). Fritz Böttger gab Fraünbriefe aus dem Vormärz und aus der Revolution von 1848 heraus (Darmstadt/Neuwied 1979). Hildegard Gulde untersuchte den jungdeutschen Fraünroman (Diss. Tübingen 1931).
Revolution von 1848
Susanne Ghirardini-Kurzweil analysierte das Theater in den politischen Strömungen der Revolution von 1848 (Diss. München 1960). Horst Denkler untersuchte Volkstümlichkeit, Popularität und Trivialität in den Revolutionslustspielen der Berliner Achtundvierziger (1974).
Norbert Otto Eke behandelte das Verhältnis von Revolution und Beschleunigung in Revolutionsdramen des Vor- und Nachmärz (1999).
Literaturtheorie und Ästhetik
Walter Dietze untersuchte Junges Deutschland und deutsche Klassik hinsichtlich der Ästhetik und Literaturtheorie des Vormärz (3. Aufl. Berlin 1962). Henk de Berg analysierte Kontext und Kontingenz mit einer Fallstudie zur Göthe-Rezeption des Jungen Deutschland (Opladen 1995).
Karl-Heinz Götze behandelte Grundpositionen der Literaturgeschichtsschreibung im Vormärz (Frankfurt 1980).
Vormärz-Studien
Die Reihe Vormärz-Studien bietet ein Forum für aktülle Forschung. Der Band Vormärz und Klassik (Bielefeld 1999) versammelt Beiträge zu den Beziehungen zwischen den Epochen. Weitere Bände behandeln Juden und jüdische Kultur im Vormärz sowie Erotik und Sexualität.