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Literaturtheorie

Kultursoziologie: Pierre Bourdieu

Primär- und Sekundärliteratur zum literarischen Feld

Zuletzt aktualisiert: 26.02.2024

Pierre Bourdieu (1930-2002) hat mit seinen Arbeiten zur Kultursoziologie einen wichtigen Beitrag zur Literaturwissenschaft geleistet. Seine Konzepte des literarischen Feldes, des symbolischen Kapitals und des kulturellen Habitus haben die Analyse literarischer Produktions- und Rezeptionsprozesse nachhaltig beeinflusst.

Grundlegende Werke von Pierre Bourdieu

Bourdieus Hauptwerk zur Literatursoziologie ist Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes (Frankfurt 1999). Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft (Frankfurt 1982) behandelt Geschmack und kulturelle Distinktion. Zur Soziologie der symbolischen Formen (2. Aufl. Frankfurt 1983) legte wichtige theoretische Grundlagen.

Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft (Frankfurt 1993) und Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns (Frankfurt 1998) entwickeln Bourdieus Praxistheorie. Was heisst sprechen? Die Ökonomie des sprachlichen Tausches (Wien 1990) behandelt Sprache als symbolische Macht.

Das literarische Feld

Bourdieu veröffentlichte Le champ litteraire mit Vorarbeiten und Grundsätzen der Methode (Lendemains 1984). Der Aufsatz Le marche des biens symboliqüs (L'annee sociologique 1971) behandelt den Markt symbolischer Güter und die Wechselbeziehungen von eingeschränkter Produktion und Grossproduktion.

Die historische Genese einer reinen Ästhetik erschien in dem Sammelband Praxis und Ästhetik (Frankfurt 1993).

Symbolische Gewalt und Kapital

Bourdieu und Jean-Claude Passeron veröffentlichten Grundlagen einer Theorie der symbolischen Gewalt (Frankfurt 1973). Sozialer Raum und Klassen (Frankfurt 1985) behandelt die Struktur des sozialen Raums. Die verborgenen Mechanismen der Macht (Hamburg 1992) analysiert symbolische Herrschaft.

Einführungen und Handbücher

Markus Schwingel veröffentlichte Pierre Bourdieu zur Einführung (Hamburg 2000). Gerhard Froehlich und Boike Rehbein gaben das Bourdieu-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung heraus (Stuttgart 2009). Gunter Gebaür und Christoph Wulf edierten Praxis und Ästhetik. Neue Perspektiven im Denken Pierre Bourdieus (Frankfurt 1993).

Bourdieu und die Literaturwissenschaft

Joseph Jurt veröffentlichte mehrere grundlegende Studien: Die Theorie des literarischen Feldes (Romanistische Zeitschrift 1981), eine Studie zu den Regeln der Kunst (Archiv für das Studium der neueren Sprachen 1994) und Das literarische Feld. Das Konzept Pierre Bourdieus in Theorie und Praxis (Darmstadt 1995).

Klaas Jarchow und Hans-Gerd Winter analysierten Pierre Bourdieus Kultursoziologie als Herausforderung der Literaturwissenschaft (Frankfurt 1993). Ludwig Fischer und Klaas Jarchow behandelten die soziale Logik der Felder und das Feld der Literatur (Sprache im technischen Zeitalter 1987).

Die feinen Unterschiede

Jörg Blasius und Joachim Winkler prüften Bourdieus Theorie empirisch in ihrem Aufsatz Gibt es die feinen Unterschiede? (Kölner Zeitschrift für Soziologie 1989). Axel Honneth analysierte Die zerrissene Welt der symbolischen Formen (Kölner Zeitschrift für Soziologie 1984).

Hans-Peter Müller behandelte Kultur, Geschmack und Distinktion als Grundzüge der Kultursoziologie Bourdieus (Köln 1986). Thomas Hecken fragte nach Kant mit Fourier und Bourdieuschen Geschmacksfragen (Merkur 1985).

Literarisches Feld in Deutschland

Christine Magerski untersuchte die Konstituierung des literarischen Feldes in Deutschland nach 1871 (Tübingen 2004). Remy Ponton behandelte die Geburt des psychologischen Romans und literarische Strategien im Frankreich des 19. Jahrhunderts (Sprache im technischen Zeitalter 1988).

Rezensionen und kritische Würdigungen

Karlheinz Stierle rezensierte Die Regeln der Kunst unter dem Titel Glanz und Elend der Kunstsoziologie (DIE ZEIT 1999). Michäl Rutschky würdigte die Rückkehr des Sozialforschers (Merkur 1989). Ingrid Gilcher-Holtey behandelte Kulturelle und symbolische Praktiken bei Bourdieu (Göttingen 1996).