Arnaldur Indridason: Nordermoor
Mord auf Umwegen - Ein fesselnder Island-Krimi
Bibliographische Angaben
- Autor: Arnaldur Indridason
- Titel: Nordermoor. Island Krimi
- Übersetzung: Coletta Bürling
- Verlag: Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2003
- Umfang: 316 Seiten
- ISBN: 3-404-14857-6
Der Autor
Der isländische Autor Arnaldur Indridason wurde 1961 geboren und arbeitete als Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung in Reykjavik. Sein Kriminalroman "Nordermoor" sowie das darauffolgende Werk "Todeshauch" erhielten jeweils 2002 und 2003 den "Nordic Crime Novel's Award", was zu einem beispiellosen Erfolg in der Geschichte dieses Krimipreises zählt.
Die Handlung
Den anfänglichen Haupthandlungsort stellt die Wohnung eines Ermordeten namens Holberg dar, auf dessen Bauch die Kommissare Erlendur, Elinborg und Sigurdur Oli einen Zettel mit einer verschlüsselten Nachricht vorfinden. Der neunundsechzigjährige Tote scheint ein Geheimnis zu bergen, das niemand kennt - außer dem Mörder.
Längere Recherchen schließen auf eine düstere Vergangenheit: So wurde Holberg vor fast vierzig Jahren von einer Frau wegen Vergewaltigung angezeigt, jedoch freigesprochen. Das Opfer hatte sich wegen ihrer an einem Gehirntumor gestorbenen Tochter das Leben genommen. In Holbergs Schreibtisch findet die Spurensicherung eine Fotografie vom Grab des Mädchens. War sie Holbergs Tochter? Lässt sich dies mittels einer DNA-Analyse aufklären?
Vermeintliche Lösungsversuche bringen weitere Verbrechen und daraus resultierende Folgen zum Vorschein, mit denen Holberg in gewisser Weise im Zusammenhang steht. Die Fäden des Verbrechens reichen bis in die Gegenwart und führen zu einem Genforschungszentrum, das Fragen nach Erbkrankheiten aufwirft.
Atmosphäre und Stil
Gleich zu Beginn des Krimis fällt auf, dass sich alle beteiligten Personen duzen, was zu einer sehr persönlichen Atmosphäre beiträgt, an die sich der Leser jedoch erst gewöhnen muss. Wenn man mit den vielen isländischen Namen vertraut wird, lässt sich das Buch aufgrund seiner leicht verständlichen Schreibweise zügig lesen.
Wegen des typisch isländischen Wettergeschehens - Daürregen, Kälte, Sturm - werden beim Leser synästhetische Reize geweckt. Ein leichtes Frösteln hält während der gesamten Handlung an.
Charakterzeichnung
Indridasons Charaktere weisen alle ein scharfes Profil auf, wobei besonders die Beschreibung der Hauptfigur Erlendur beeindruckt. Das unstete und problematische Leben des gestressten Kommissars sorgt in seiner detaillierten und präzisen Charakterdarstellung für reale Nähe. Erlendur, seit zwanzig Jahren geschieden, hat kaum Kontakt zu seinen zwei erwachsenen Problemkindern: Seine Tochter Eva ist drogensüchtig und erwartet ein ungewolltes Kind. Auch sein Sohn kämpft mit seiner Drogensucht. Oft bekommt der Leser den Eindruck vermittelt, Erlendur sei körperlich und mental am Ende. Diese Vorstellung wird jedoch durch sein temperamentvolles Handeln entkräftet.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "Nordermoor" ein sehr gelungenes Werk ist, das sich auf jeden Fall zu lesen lohnt. Der Autor hat es geschafft, unmittelbar am Anfang Spannung zu erzeugen, die auch während längerer Dialoge nicht verloren geht. Die unterschiedlichen Schauplätze werden von Indridason kunstvoll miteinander verbunden. Die weiteren Romane "Todeshauch" sowie "Engelsstimme" mit denselben Charakteren folgten nach diesem großen Durchbruch.